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Gedanken zur Kastration von Zuchtkatzen und -katern
Wer sich heutzutage mit der Zucht von Haustieren beschäftigt, sollte sich bereits im Vorfeld genauestens informieren und nicht wie in die Jungfrau zum Kind kommen. Hilfreich können sicher dabei die vielen Katzenverbände und deren Ortsgruppen sein; auch gibt es eine Reihe alter und neu aufgelegter Katzenfachbücher, welche man durcharbeiten kann; und man höre und staune: Auch so mancher seriöse Züchter ist gerne bereit, Katzeninteressenten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Letztgenannte Informationsquelle sollte man jedoch etwas mit Vorsicht genießen, damit Katzenliebhaber nicht zum Vorteil der Züchter missbraucht werden. Fazit: In der Katzenzucht geht es auch zu wie im richtigen Leben.
Katzen züchten - was versteht man eigentlich darunter?
Auf jeden Fall sollte man von Anfang an ein Zuchtziel definieren. Sehr wichtig sind dabei besonders nachstehende Fragen: Welche Rasse bzw. mit verschiedenen Blutlinien zur Genpoolerweiterung ist in der näheren Umgebung vorhanden, um nicht züchterisch gleich wieder an der Wand zu stehen? Es ist gewiss schwierig, eine völlig neue Rasse oder Farbe im Ort X zu züchten, wenn die Schwerpunkte dieser Zuchtrasse oder Farbvarietät 800 bis 1000 Kilometer weit entfernt liegen. Will man nur hin und wieder einen Wurf machen, um sich an der Aufzucht der Jungtiere zu erfreuen? Ausgeklammert werden hier sogenannte Massentierhalter, die Zuchtkätzinnen acht bis zehn Jahre lang immer wieder mit demselben Kater eindecken, nur mit dem einzigen Hintergedanken des Verkaufes der Jungtiere. Das ist nicht Züchten sondern Katzenproduktion.
Kontrollierte Familienplanung
Es gibt jedoch eine Reihe von seriösen Züchtern, die sich zu Zuchtgemeinschaften zusammengefunden haben, und jeder Zuchtpartner setzt zirca zwei bis drei Kätzinnen mit verschiedenen Linien zur Zucht ein. Meist befinden sich in solchen Züchtergruppen ein oder zwei Züchter, die Deckkater halten und in der eigenen Wohnung den entsprechenden Platz zur Verfügung stellen können. Heutzutage ist es jedoch nicht allzu schwer, auch potente Deckkater "ruhiggestellt" in der Wohnung zu halten, die sich oftmals sehr aktiv an der Aufzucht der Nachkommen beteiligen. Viele seriöse Züchter verwenden bei eigenen Kätzinnen die Katzen-Antibabypille, um ungewollter Katzenvermehrung Einhalt zu gebieten. Schädliche Nebenwirkungen lassen sich mit Sicherheit nicht ausschließen; gerade bei älteren Kätzinnen kann die Gefahr der Gebärmutterentzündung entstehen. Doch sollte man vor Anwendung und Dosierung einen erfahrenen Tierarzt dahingehend befragen.
Dasselbe gilt auch bei der Deckkaterhaltung. Die Pille oder Spritze für den Kater verhindert je nach Dosierung das lästige Harnspritzen und Markieren. Kater können nach einer gewissen Wartezeit dennoch vollständig als Deckkater ohne Nebenwirkungen eingesetzt werden. In vielen Fällen der Anwendung veterinärmedizinischer "Verhütungsmittel" wissen erfahrene Züchter meistens besser Bescheid als so mancher Tierarzt. Dies soll keine Wertung sein, sondern den hohen Erfahrungswert so mancher Profizüchter unterstreichen. Wobei man hier schon beim Kern der Sache wäre.
Das Zauberwort heißt "Durchhaltevermögen"
Wer sich gerne der seriösen und artgerechten Profizucht zuwenden möchte, genügend genetisches Fachwissen besitzt, viel Platz und noch mehr Zeit zur Verfügung hat, vom Geld ganz zu schweigen, auch nicht zurückscheut, in Katzenverbänden aktiv mitzuarbeiten, das Wort Urlaub nur aus der Werbung kennt und viel Durchhaltevermögen vorweisen kann, sollte sich zum Beispiel an die Zucht von seltenen und neuen Farben einer altbewährten Rasse wagen. Gerade diese Züchter, die sich für zirka drei bis fünf Jahre einen Zuchtplan erarbeiten und streng daran festhalten, können zum Beispiel nach diesem Zeitraum auch mit der Anerkennung seltener und nicht anerkannter Farben in einem Katzenweltverband erfolgreich sein. Bei neuen Rassen dürfte der Erfolg meist noch etwas länger dauern, da die Voraussetzungen in den einzelnen Weltverbänden meist schwieriger sind.
Das Wohlergehen der Katze ist unser oberstes Gebot
Züchten heißt Selektieren und vor allem mit der Nachzucht weiterarbeiten. Gerade seriösen Katzenprofizüchtern, die mit Herz und Verstand ihrem Zuchtziel näherkommen möchten, stellt sich dem einen früher, dem anderen später, irgendwann die Frage:"Was tun mit Zuchtkätzinnen und Zuchtkatern, die man nicht mehr in der Zucht einsetzen kann oder will?" Bei der Zucht sollte man sehr kritisch zu sich selbst sein und dasWohlergehen des Lebewesen Katze immer in den Vordergrund stellen. Kätzinnen, die ein oder zwei Jahre alt sind und einmal oder gar zweimal einen Wurf Jungtiere großgezogen haben, werden bei fast allen seriösen Katzenprofizüchtern kastriert und als noch junge Kätzin an einen guten Platz vermittelt. Es liegt sicher mehr im Sinne der Katze, nicht als Gebärmaschine von Menschen missbraucht zu werden, sondern noch als junge Katze in "Rente" gehen zu dürfen. Es kann auch nicht im Sinne einer artgerechten Katzenhaltung sein, diese Kastraten weiter im eigenen Haus zu halten, so dass nach X Jahren zehn, fünfzehn oder mehr Kastraten den Platz mit potenten Kätzinnen und Katern teilen müssten. Nicht außer acht soll hier der Stress gelassen werden, welchem diese Tiere ständig ausgesetzt sind, die Hackordung unter den Kastraten, unter den Potenten und dann noch Kätzinnen mit Jungtieren.
Kastration zum Wohl der Katze
Zuchtziele können am besten im Sinne und zum Wohl der Katzen verwirklicht werden, wenn man Kater und Kätzinnen frühzeitig kastriert, einen guten Platz sucht und mit deren Jungtieren ein Jahr später weiterzüchtet. Erfahrungen haben in den letzten Jahren gezeigt, dass viele Jungtierinteressenten gerne zwei Katzen kaufen möchten, aber so mancher Geldbeutel dies einfach nicht zulässt. Seriöse Angebote, doch Katzenmama als Kastrat mit Sohn und Tochter zum Preis eines Jungtieres zu übernehmen, wurden in allen Fällen gerne und freudig akzeptiert. Dasselbe gilt für Deckkater, die maximal fünf Jahre zum Decken eingesetzt werden sollen. Zusammen mit einem Jungtier leben sie sich als Kastrat wunderbar bei ihren neuen Katzeneltern ein. Dies hat nichts mit "herzlos" zu tun, sondern ist die beste Entscheidung im Sinne und zum Wohl der Katze. So mancher Züchter hat aus falsch verstandener Katzenliebe immer wieder behalten und nicht nur aus Kapazitätsengpässen das Züchten sehr schnell eingestellt, sondern auch die Wohnung und das Haus voll von frustrierenden Katzen gehabt. Je älter eine Katze wird, desto schwieriger und problematischer wird es, einen neuen guten Platz zum Eingewöhnen zu finden.
Katzenzucht mit Herz und Verstand
Wenn man als Züchter manchmal zwei weibliche Wurfgeschwister aufzieht, um mit ihnen im darauffolgenden Jahr je eine Verpaarung mit zwei Kater verschiedener Genpools zu machen, bringt diese Möglichkeit den Züchter in vielen Fällen meist schneller zum Ziel. Hierbei kann man dann daran denken, diese beiden Wurfgeschwister als eineinhalb- bis zweijährige Kastratinnen zusammen an einen liebevollen Platz zu geben. Vielfach haben es Kastraten bei Menschen, die sich nicht alles leisten können, sich aber auf diese Art und Weise einen Wunsch erfüllen können, schöner und erhalten mehr Liebe als in so manchem Haushalt mit Vorzeigecharakter. Bei der vorherbeschriebenen Zuchtweise kann man auf jeden Fall sicher sein, dass man alles Erdenkliche im Sinne der Katze unternimmt, um ihr ein artgerechtes Leben zu garantieren. Wir Züchter - und im weitesten Sinne auch die Verbände - haben persönlich die Verantwortung dafür, keine Auswüchse zuzulassen.
Artgerechte Haltung
von Zuchtkätzinnen und -katern garantieren auch ausgeglichene, verschmuste und liebevoll aufgezogene Jungtiere, die man als seriöser Züchter jederzeit guten Gewissens an Liebhaber weitergeben kann. Das letzte gehörte immer schon zur Katzenzucht, denn gerade der Wettbewerb soll den Züchter darauf hinweisen, wie weit er von seinem Zuchtziel entfernt ist. Und so mancher "neuer Besitzer" eines wunderhübschen Kastraten kann auf jeder internationalen Katzenausstellung teilnehmen und ist noch überrascht, wenn sein Liebling hohe Auszeichnungen gwinnt. Die Regeln und Vorschriften sind bei Kastraten nämlich nicht so streng in der Auslegung wie bei Zuchtkatzen.
geschrieben von Pia-Maria von Grambusch
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